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Wie sehen Realität und Zukunft in HR-Abteilungen aus? Diese Frage haben wir gemeinsam mit YouGov 700 Personalern in Deutschland, Spanien, Frankreich und UK gestellt. Die spannendsten Insights haben wir hier für Sie zusammengefasst. 

Sie interessieren Sich für die kompletten Ergebnisse der Umfrage? Hier geht’s zum kostenlosen Download. 

Die Umfrage: Wer, Was, Wann?

Die Umfrage fand unter insgesamt 700 HRlern aus Frankreich, Spanien, Großbritannien und Deutschland statt. In jedem Land wurden somit ca. 200 HRler befragt, in Spanien 100. 

In Deutschland gab es 202 Teilnehmer, davon waren 132 männlich und 70 Personen weiblich. Die angebene Management-Ebene verteilte sich auf 100 aus dem Top-Management und 78 aus dem Low-Management. 94 der Befragten gaben an, aus einem Unternehmen mit weniger als 50 Angestellten zu kommen, 94 stammten aus Unternehmen mit 50 oder mehr Mitarbeitern.

Die Altersverteilung sah wie folgt aus:

  • 2 Teilnehmer im Altern von 18-24
  • 31 Teilnehmer im Alter von 25-34
  • 45 Teilnehmer im Alter von 35-44
  • 49 Teilnehmer im Alter von 45-54
  • 75 Teilnehmer über 55

Die Studie fand im Zeitraum vom 24.-27. Februar 2020 statt und bildet somit hauptsächlich die Meinung der HRler vor der Coronakrise ab.

Wohlbefinden der Mitarbeiter als Prio Nummer 1 - zumindest für die neue Generation 

In Deutschland beschäftigen sich die HR-Abteilungen am häufigsten mit der Schulung und Weiterbildung der Mitarbeiter (36%) und mit dem Wohlbefinden am Arbeitsplatz (35%). 

Am wenigsten wird sich hingegen mit Themen wie Offboarding (7%) oder der Gehaltspolitik (15%) beschäftigt.

Vor allem das Thema Wohlbefinden am Arbeitsplatz ist nicht nur omnipräsent in den HR-Abteilungen, sondern wird auch als größte Herausforderung wahrgenommen. Besonders interessant dabei -  je jünger die Befragten waren, desto wichtiger war das Thema. Während in der Altersklasse der 18-44-jährigen durchschnittlich knapp 65% der Befragten das Wohlbefinden am Arbeitsplatz als größte Herausforderung sehen, sind es in der Altersgruppe 45-55+ nur 33%. 

Der Begriff “Arbeitsplatz” hat sich in der Coronakrise gewandelt: viele arbeiten im Home Office und es müssen neue Wege definiert werden, wie Teams sich austauschen, effizient zusammenarbeiten und in Verbindung bleiben. 

HRler sollten sich daher fragen: Wie können wir jetzt mit der Coronakrise die Bedeutung der Lebensqualität am Arbeitsplatz neu definieren?

Digitalisierung: ein Thema der neuen Generation und Grundlage für Wachstum

Insbesondere Personaler der Generation der 25-34-jährigen stehen der Digitalisierung von HR sehr positiv gegenüber. 81% stimmen zu, dass Digitalisierung zum Unternehmenswachstum beiträgt. Weitere 77% sind sich einig, dass die Digitalisierung von HR Zeit für wichtige Themen wie Weiterbildung von Mitarbeitern schafft. In der Altersgruppe der über 35-jährigen stimmen hier zum Vergleich 54% zu. 

61% der Befragten sagen außerdem, dass die Digitalisierung dazu beiträgt, dass sie sich als Personaler in ihrer Arbeit erfüllter fühlen. Das ist sehr wahrscheinlich zumindest zum Teil daraus zu schließen, dass repetitive und administrative Aufgaben reduziert werden. 

Im europäischen Vergleich scheinen die spanischen HRler noch überzeugter zu sein: 76%  sind der Meinung, dass die Digitalisierung der HR-Funktionen mehr Zeit für die Entwicklung der Mitarbeiter erlaubt (vs 64% der Franzosen, 58% der Deutschen und 55% der Briten) und 75%, dass sie zum Wachstum des Unternehmens beiträgt (vsr 59% der Franzosen, 58% der Deutschen und 45% der Briten).

Auch während der Coronakrise hat sich dies mehr und mehr bewahrheitet: Unternehmen, die bereits digital arbeiteten, haben die Umstellungen auf Remote-Arbeitsweisen wesentlich besser überstanden als “analoge Unternehmen”.

“Heute ist die Digitalisierung ein grundlegender Vorteil: digitalisierte Unternehmen sind diejenigen, die der Krise am besten widerstehen.”

Javier Puebla, CEO & Founder Talentoo

Offboarding: häufige Konfrontation, keine Priorisierung

Offboarding gehört heute in allen befragten Ländern nicht zu den obersten HR-Prioritäten. Die Unterstützung der Mitarbeiter beim Ausscheiden aus dem Unternehmen ist das Thema, mit dem die europäische Personalabteilung täglich am wenigsten Zeit verbringt: die spanische, französische, deutsche und britische Personalabteilung wenden jeweils 12%, 7%, 7% bzw. 3% ihrer Zeit dafür auf.

In einer Zeit, in der das klassische Anstellungsmodell gegenüber flexibleren Arbeitsformen (unbefristete Verträge, befristete Verträge, freie Mitarbeit, Freelancer, Leiharbeit usw.) tendenziell an Boden verliert, wird die Bindung zwischen Mitarbeitern und Unternehmen viel schneller als bisher geschmiedet und gebrochen. Das Wissen, wie man mit diesem Moment der "Trennung" umgeht, sei es dauerhaft oder vorübergehend, wird daher für Organisationen zu einer wichtigen Frage.

Insbesondere in Zeiten von Corona ist Offboarding ein Thema, das HRlern in ihrer täglichen Arbeit häufig begegnet (26%) und von dem sie auch denken, dass es auch für 2020 weiterhin ein wichtiges Thema sein wird (18%, Zahlen vor Corona erfasst). Doch warum wird diesem Thema so wenig Priorität eingeräumt?

“Offboarding wird immer noch als negatives wahrgenommen. Daher befassen sich leider sowohl ManagerInnen als auch PersonalerInnen sehr wenig mit dem Thema. Dieser Ansatz ist aber kontraproduktiv. Denn einerseits sollten wir mit aufmerksamen Auge bei unseren Mitarbeiter*innen sein um zu verstehen, ob jemand in Erwägung zieht zu gehen und somit die Chance haben, dies noch zu verhindern. Wir sollten uns aber auch bewusst sein, dass es natürlich ist und einfach dazu gehört, dass Mitarbeiter*innen irgendwann auch mal gehen. Und da ist es dann umso wichtiger, dass wir eine Offboarding-Erfahrung schaffen, die einen nachhaltigen, positiven Eindruck bei den Mitarbeiter*innen hinterlässt. Denn am Ende sind nicht nur die aktuellen Mitarbeiter*innen wichtige Markenbotschafter*innen, sondern vor allem die Ehemaligen. Das bedeutet für Manager*innen und Personalabteilungen - Zeit einplanen und hinsehen.”

Samira Helbig, Head of People @PayFit Deutschland

Bei der Frage nach den größten Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg wird Offboarding nur mit 8% bewertet, wohingegen die Spitzenreiter das Wohlbefinden am Arbeitsplatz (53%) und die Schulung der Mitarbeiter (51%) vorne mit dabei sind. Dennoch gilt: wenn das Wohlbefinden am Arbeitsplatz stimmt, kommt es zu weniger Kündigungen. 

In einer französischen Studie, die während der Coronakrise durchgeführt wurde, sagen außerdem 77% der HRler, dass Entlassungen in ihrem Unternehmen geplant sind.

Das macht dieses Thema noch wichtiger  – schließlich sollten sich Mitarbeiter nicht nur beim Onboarding und der tatsächlichen Anstellung wohlfühlen, sondern das Unternehmen auch mit einem guten Gefühl verlassen. 

Selbstverwirklichung als Thema der neuen Generation: neue Formen der Zusammenarbeit, Weiterbildung und Fulfillment 

Themen wie Weiterbildung und Work-life-Balance der Mitarbeiter formen das gesamte Mitarbeitererleben. Was zusätzlich zu diesem Erleben beiträgt, sind neue Anstellungsformen. Wurde bisher in vielen Firmen das Modell der Vierzigstundenwoche mit Präsenz im Büro streng durchgezogen, haben die meisten Unternehmen spätestens durch Corona gemerkt, dass es auch alternative Möglichkeiten gibt bzw geben muss. In vielen Unternehmen wird über das Thema “Future of Work” gesprochen, neue Remote-Regeln eingeführt und die “Office-first”-Policy überdacht. 

Neue Mitarbeiterprofile halten Einzug in die Unternehmenswelt und führen zunehmend zu einem Umdenken bei der Arbeitsorganisation, den Prozessen und internen Kommunikationsmethoden. Dies wird bis 2025 eine der großen Herausforderung für die Personalabteilung sein, so zumindest die Meinung von 62% der Befragten in Deutschland.

Bei der Frage nach den weiteren Herausforderungen steht in Frankreich, Deutschland und Großbritannien die Umweltverantwortung der Unternehmen auf dem Plan. Spanien und Deutschland betonen außerdem die Integration älterer Arbeitnehmer, während Frankreich und Großbritannien die Gleichstellung der Geschlechter in den Unternehmen als Herausforderung ansieht. 

"Wir sind offen für alle Arten von Profilen. Das Wichtigste ist, eine Person zu finden, die "passt". Für den Rest liegt es an uns, uns anzupassen und die richtige Organisation zu finden."

Zoe Languette, HR Manager Andjaro

Nur 2% sehen Gender Equality als Herausforderung

Gender Equality, also die Gleichstellung der Geschlechter, ist ein häufig diskutiertes Thema - trotzdem sehen nur 2% der deutschen HRler dies als wichtige Herausforderung, der sie sich in den nächsten Jahren stellen müssen. 

Woran liegt das? 

Laut dem Gender Equality Index 2019 liegt Deutschland bei 66.9 Punkte (von 100), Spanien erreicht 70,1, Frankreich 74,6 und Großbritannien erreicht 72,2.

Spitzenreiter ist Schweden mit 83,6. Der Index untersucht, wie sich Elemente wie Behinderung, Alter, Bildungsniveau, Geburtsland und Familientyp mit dem Geschlecht überschneiden, um verschiedene Wege im Leben der Menschen zu schaffen.

Deutschland liegt also ohnehin schon etwas weiter hinten. Stellt sich die Frage, ob wir das Thema nicht doch mehr in den Vordergrund rücken sollten?

“Gender Equality ist definitiv ein wichtiges Thema, das auch in Deutschland noch immer von großer Bedeutung ist. Die Herausforderungen sind da und aktueller denn je. Die Zahlen kann ich mir nur so erklären, dass der Arbeitsmarkt derzeit generell einen großen Wandel vollzieht und Themen wie Digitalisierung und New Work präsenter sind als das vielleicht manchmal etwas klassischer wirkende Thema „Gender Equality“. Dennoch ist es wichtig diesen Aspekt mitzudenken, insbesondere wenn wir davon reden wir wir den Arbeitsplatz von morgen gestalten. Ich denke aber auch, dass das Thema nicht als eigenständige Herausforderung gesehen werden muss, sondern vielmehr als holistische Herausforderung in Bezug auf Diversität und Zukunftsfähigkeit am Arbeitsplatz gestaltet werden sollte.”

Samira Helbig, Head of People @PayFit Deutschland

Ökologische Verantwortung

Die ökologische Verantwortung in deutschen Unternehmen sehen die HRler außerdem als eine der wichtigstens Prioritäten bis einschlißlich 2025. Im europäischen Vergleich sieht es ähnlich aus: In Frankreich (21%) steht die ökologische Verantwortung an erster Stelle, in Deutschland (16%) und Großbritannien (14%) an zweiter Stelle. Mit Ausnahme der Spanier (7%), die diesem Thema weniger Priorität einräumen als anderen, sind europäische HRler überzeugt, dass Handlungsbedarf besteht. 

Diese Dynamik entspricht den Erwartungen vieler Arbeitnehmer: Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit sind insbesondere der jüngeren Generation wichtig. Der Wille seitens der HR-Abteilungen ist also vorhanden und Ansätze gibt es genug. Sei es zunächst die Überprüfung des Status Quo oder direkt die Integration in die Unternehmensmission: Unternehmen sollten sich fragen, was möglich ist und: Anfangen!

Auf dem Weg zu einer neuen Lebensqualität?

Die wichtigsten Erkenntnisse unserer Studie:

  • Wohlbefinden am Arbeitsplatz ist heutzutage wichtiger denn je und HRlern sehen neue Anstellungsformen als Herausforderung der Zukunft. Flexibilität spielt in der neuen Arbeitswelt somit eine wichtige Rolle.
  • Die Digitalisierung hilft Personalabteilungen dabei, mehr Zeit mit Aufgaben zu verbringen, die dem Unternehmen einen wirklichen Mehrwert bieten. 
  • Themen wie Gender Equality oder Offboarding wird keine große Priorität eingeräumt: dennoch gehören sie in die Welt des Mitarbeitererlebens und sollten zumindest so integriert werden, dass sie nicht als negativ wahrgenommen werden.

Vor der Covid-19-Krise wurde das Wohlbefinden bei der Arbeit als die größte Herausforderung für die europäischen HR im Jahr 2020. 73% der französischen HRler glauben, dass sich die Prioritäten der HR-Abteilungen aufgrund der Coronakrise verändern werden. 

Unternehmen müssen in und nach der Coronakrise mit den Mitarbeitern in Kontakt bleiben und Faktoren wie Remote Policies und die Definition von Zusammenarbeit überdenken: nur so werden sie möglichen neuen Anforderungen gerecht.

Charlotte Block

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