Kurzarbeitergeld und Abwesenheiten: Was Arbeitgeber wissen müssen

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    Das Thema Kurzarbeit wird viele Unternehmen und Arbeitnehmer in den kommenden Monaten weiterhin beschäftigen. Aufgrund vieler Sonderregelungen, vor allem in Bezug auf Abwesenheiten, kommt es allerdings immer noch oft zu Unklarheiten und Missverständnissen. 

    Im Folgenden haben wir daher die wichtigsten Kategorien der Abwesenheiten zusammengefasst, sodass Sie und Ihre Mitarbeiter einfache Antworten zu den wichtigsten Fragen zum Thema Kurzarbeitergeld und Abwesenheiten finden.

    Feiertage und Kurzarbeitergeld

    Fällt ein gesetzlicher Feiertag in den Zeitraum der Kurzarbeit, gilt dieser Tag als ausgefallen aufgrund des Feiertages. Der Arbeitgeber muss somit das Entgelt fortzahlen. Diese Regelung ist gesetzlich im § 2 Abs 2 Entgeltfortzahlungsgesetz festgeschrieben.

    Die Höhe der Entgeltfortzahlung richtet sich danach, wie der Arbeitnehmer ohne Feiertag entlohnt worden wäre. Liegt der Feiertag an einem Tag, an dem der Arbeitnehmer gearbeitet hätte, bekommt er das gekürzte Entgelt.

    Fällt der Feiertag auf einen Tag, an dem wegen Kurzarbeit nicht gearbeitet worden wäre, entspricht das Feiertagsentgelt dem Kurzarbeitergeld, was bedeutet dass für den Tag ein fiktives KUG angesetzt wird.

    Zusammengefasst: Es wird immer das Entgelt angesetzt, dass der Arbeitnehmer an dem Tag bekommen hätte, wenn es kein Feiertag gewesen wäre.

    Wichtig zu beachten: Eine Erstattung durch die Agentur für Arbeit ist nicht möglich.

    Arbeitsunfähigkeiten und Kurzarbeitergeld

    Kommt es im Zusammenhang mit Kurzarbeit zur Arbeitsunfähigkeit, ist entscheidend, ob die Erkrankung vor oder während der Kurzarbeit anfing. In Abhängigkeit davon entscheidet sich, ob der Arbeitnehmer Entgeltfortzahlung, Krankengeld oder Kurzarbeitergeld erhält. 

    Erkrankung vor Beginn der Kurzarbeit

    Ist ein Arbeitnehmer vor Beginn der Kurzarbeit im Unternehmen erkrankt, hat er Anrecht auf Entgeltfortzahlung. Die Höhe der Entgeltfortzahlung entspricht dem gekürzten Entgelt, das während der Kurzarbeit anfallen würde. An Zeiten, die aufgrund von Kurzarbeit ausfallen, erhalten Arbeitnehmer Krankengeld in Höhe des Kurzarbeitergeldes. Beides wird zunächst vom Arbeitgeber ausgezahlt und dann auf Antrag des Arbeitgebers durch die Krankenkasse erstattet. Entfällt nach 6 Wochen der Anspruch auf Entgeltfortzahlung, zahlt die Krankenkassen des Arbeitnehmers Krankengeld. Die Berechnung des Krankengeldes erfolgt dann mit dem Arbeitsentgelt vor der Kurzarbeit.

    Beispiel

    Der Betrieb von Arbeitnehmer Schneider hat seit dem 01.07. Mitarbeiter in Kurzarbeit. Dazu gehört auch Arbeitnehmer Schneider, der mit Kurzarbeit nur noch an drei Tagen die Woche Arbeit. Aufgrund einer Erkrankung ist Herr Schneider vom 25.6. bis zum 03.07 arbeitsunfähig.

    In der Zeit der Erkrankungen fallen zwei Tage, an denen er aufgrund von Kurzarbeit nicht gearbeitet hätte (01.07. und 03.07.).

    Für Herrn Schneider bedeutet das, dass er vom 25.6. bis 30.6. und am 02.07. die Entgeltfortzahlung erhält. Da die Kurzarbeit am 01.07. anfing, erhält er für den 02.07 das verringerte Entgelt. Für die Krankheitstage, die auf Kurzarbeit fallen (01.07 und 03.07), erhält er Krankengeld in Höhe des Kurzarbeitergeldes.

    Erkrankung während der Kurzarbeit

    Erkrankt ein Arbeitnehmer während der Kurzarbeit, verringert sich die Entgeltfortzahlung auf das Entgelt, das er während der Kurzarbeit erhält. Es besteht weiterhin Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Wenn nach 6 Wochen der Anspruch auf Entgeltfortzahlung wegfällt, zahlt die Krankenkassen des Arbeitnehmers Krankengeld. Die Berechnung des Krankengeldes erfolgt auf Grundlage des Entgelts vor Kurzarbeit.

    Beispiel

    Die Kollegin von Arbeitnehmer Schneider, Frau Fischer, ist ebenfalls von der Kurzarbeit betroffen. Sie arbeitet nur noch an drei Tage in der Woche. Aufgrund einer Verletzung ist sie vom 08.07. bis 17.07. arbeitsunfähig – da die Kurzarbeit am 01.07. begann, liegt die gesamte Arbeitsunfähigkeit in der Kurzarbeit.
    In dem Zeitraum der Arbeitsunfähigkeit fallen drei Tage, die wegen Kurzarbeit ausfallen (09.07., 14.07. und 16.07.). An diesen Tagen erhält Frau Fischer Kurzarbeitergeld. An den restlichen Tagen enthält sie die Entgeltfortzahlung in Höhe ihres gekürzten monatlichen Entgelts.

    Sozialzeiten und Kurzarbeitergeld

    Das Kurzarbeitergeld beeinflusst also allerhand Abwesenheiten: Doch wie sieht es mit Sozialzeiten wie dem Mutterschutz und der Elternzeit aus? Müssen werdende Eltern, die Kurzarbeitergeld beziehen, mit Ausfällen rechnen?

    Welche Auswirkungen hat Kurzarbeit auf Mutterschutz?

    Das gekürzte Entgelt und das Kurzarbeitergeld haben keinerlei Auswirkung auf die Berechnung des Mutterschutzgeldes.

    Zur Unterstützung und Schutz von werden Müttern oder stillenden Arbeitnehmerinnen gibt es das Mutterschutzgesetz. Das Gesetz regelt unter anderem die Sicherheit des Arbeitsplatzes, das Beschäftigungsverbot und das Einkommen während Beschäftigungsverbot oder Mutterschutzfrist. Die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Mutterschutzfrist umfasst sechs Wochen vor der Geburt und acht Wochen nach der Geburt. Während dieser Zeit erhalten Arbeitnehmerinnen das sogenannte Mutterschaftsgeld. Die Höhe des Mutterschaftsgeldes ergibt sich aus dem Durchschnitt des Nettoentgelts der letzten drei Monate, beträgt aber nicht mehr als 13 Euro pro Tag.

    Auch schwangere Arbeitnehmerinnen können vor Beginn der Mutterschutzfrist oder des Beschäftigungsverbots von Kurzarbeit betroffen sein. Für die Bestimmung der Höhe des Mutterschutzgeldes und dem Zuschuss zum Mutterschutzgeld wird das Entgelt, das ohne Kurzarbeit vorliegt, genutzt.

    Welche Auswirkungen hat Kurzarbeit auf die Elternzeit?

    Es wurde beschlossen, dass Einkommensverluste im Zeitraum vom 1. März bis 31. Dezember 2020, beispielsweise durch Kurzarbeitergeld, keine Auswirkungen auf das Elterngeld haben.

    Um Eltern die selbständige Betreuung ihres Kindes zu ermöglichen, wird ihnen das Recht auf eine unbezahlte Auszeit gegeben, die sogenannte Elternzeit - bis zu drei Jahre pro Kind. Im Zeitraum der Elternzeit erhalten Arbeitnehmer von ihren Arbeitgebern kein Entgelt sondern das vom Staat finanzierte Elterngeld. Das Elterngeld entspricht in etwa 67% des durchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommens. Zur Berechnung wird das Entgelt der letzten 12 Monate vor der Geburt herangezogen, unbeachtet bleiben Entgeltersatzleistungen. Da auch Kurzarbeitergeld als  Entgeltersatzleistungen zählt fließt es nicht in die Berechnung mit ein. Für von Kurzarbeit betroffene Elternteile würde dies einen Nachteil bei der Berechnung des Elterngeldes bedeuten.
    Um Eltern aber gerade in der Corona-Pandemie zu unterstützen, wurde beschlossen, das Einkommensverluste zwischen dem 1. März und dem 31. Dezember 2020 aus der Berechnung des Elterngeldes herausgestrichen werden können. Das bedeutet, dass Monate mit Kurzarbeit übersprungen werden und dafür vorangegangene Monate mit einbezogen werden.

    Wie beeinflusst Urlaub das Kurzarbeitergeld?

    Auch während der Kurzarbeit können Arbeitnehmer Urlaub nehmen. Es ist sogar empfehlenswert, da gegebenenfalls so Kurzarbeit vermieden werden kann. Ist bei Arbeitnehmern noch Resturlaub aus dem Vorjahr oder Resturlaub am Jahresende vorhanden, ist dieser vor der Kurzarbeit zu nehmen. Haben Arbeitnehmer keine Urlaubspläne oder -wünsche, kann der Arbeitgeber verlangen das Urlaub genommen wird, um so Arbeitsausfälle zu vermeiden. 

    Haben Arbeitnehmer während der Kurzarbeit Urlaub, erfolgt die Entgeltfortzahlung wie gewohnt in Höhe des durchschnittlich ungekürzten Entgelts der letzten 13 Wochen. Die Kurzarbeit bleibt unberücksichtigt, so hält es auch der Gesetzgeber im §11 Abs. 1 Mindesturlaubsgesetz fest.

    Sonderfall: 100 % Kurzarbeit und Urlaubsanspruch

    Befinden sich Arbeitnehmer zu 100% in Kurzarbeit besteht kein Anrecht auf Urlaub in dieser Zeit. In diesen Fällen haben die betroffenen Arbeitnehmer aber das Anrecht auf Ersatzurlaub zu einem späteren Zeitpunkt.

    Teilmonate bei Einstellung und Kündigung 

    Auch während der Kurzarbeit kann es dazu kommen, dass Arbeitnehmer innerhalb des Monats eine Beschäftigung beginnen oder beenden. Für die Berechnung des Kurzarbeitergeldes wird trotz Teilmonat mit dem Entgelt des gesamten Monats gerechnet.

    Beispiel

    Vertraglich geregeltes Entgelt: 2900,00 €

    Verbleibende Kalendertage im Teilmonat: 18 Tage

    Steuerdaten: Steuerklasse 1

    Kinderfreibetrag: 0

    Für KUG gilt daher Leistungssatz 2

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    KUG Ausfallstunden: 89

    Mit den vorliegenden Daten werden zunächst das Entgelt und die Stunden berechnet, die auf den Teilmonat fallen.

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    Entgelt

    Entgelt im Teilmonat

    Berechnung: monatliches Entgelt * verbleibende Kalendertage/30 Tage

    2900,- € * 18 SV-Tage/30 Tage = 1.740,- €

    Differenz zwischen vertraglichem Entgelt und Entgelt im Teilmonat:

    2900,- € - 1.740,- € = 1.160,- €

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    Arbeitszeiten

    monatliche Arbeitszeit: wöchentliche Arbeitszeit * 13/3 

    40h * 13/3 = 173,33 h

    Gekürzte monatliche Arbeitszeit aufgrund des Teilmonat:

    monatliche Arbeitszeit/30 * verbleibende Kalendertage

    173,33/30 * 18 = 103,998 h

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    Im zweiten Schritt werden Ist-Entgelder bestimmt, zum einen für das vertraglich geregelte monatliche Entgelt und zum anderen für gekürztes Gehalt im Teilmonat:

    Ist-Entgelt für vertraglich geregeltes Entgelt:

    vertragliches Entgelt * (monatliche Arbeitszeit - Gekürzte monatliche Arbeitszeit)/monatliche Arbeitszeit

    2900 * (173,33-103,998)/173,33 = 1.160,- €

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    Ist-Entgelt für Entgelt im Teilmonat:

    Gekürztes Gehalt Teilmonat * (Stunden Teilmonat – KUG-Stunden) / Stunden Teilmonat

    1.740 * (103,998-89)/103,998 =250,93 €

    Abschließend wird das Kurzarbeitergeld bestimmt. Das sich als Differenz der pauschalierten Nettoentgelts bestimmt.

    Pauschaliertes Nettoentgelt aus dem vertraglich geregeltem Entgelt (2.900,-€)

    1.149,88 €

    Pauschaliertes Nettoentgelt aus dem Entgelt im Teilmonat plus Ist-Entgelt für Entgelt im Teilmonat (1.740,-€ + 250,93 € = 1.990,93 €)

    849,97 €

    Kurzarbeitergeld

    1.149,88 € - 849,97 € = 299,91 €

    Alle Entgeltberechnungen, ob mit oder ohne Kurzarbeitergeld, werden in PayFit automatisch durchgeführt.  Dank unserer innovativen Programmiersprache können wir außerdem extrem schnell auf Änderungen in Lohnabrechnungsgesetzen reagieren und diese umgehend in unserer App berücksichtigen.

    Sie sind noch kein PayFit Kunde? Wir stellen Ihnen die App gerne persönlich vor und beantworten mögliche Fragen. Hier können Sie eine unverbindliche Demo buchen.

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    PayFit

    Sabrina Wagener

    Lohnabrechnungsexpertin

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