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    Als Folge von konjunkturellen Schwankungen, beispielsweise in der Coronakrise, kann es in Unternehmen zu Auftragseinbrüchen kommen. Um zu verhindern, dass Mitarbeiter entlassen werden müssen, kann der Arbeitgeber Kurzarbeit anordnen. In diesem Fall zahlt der Arbeitgeber auf die ausgefallen Stunden das sogenannte Kurzarbeitergeld, das auf Antrag von der Agentur für Arbeit erstattet wird.

    Einfache Berechnung von Kurzarbeitergeld

    Grundlage für die Berechnung des Kurzarbeitergeldes sind die Stundenanzahl (Soll-Stunden) und das vereinbarte Entgelt (Soll-Entgelt) eines Arbeitnehmers. Durch Kurzarbeit fallen einige Arbeitsstunden weg und müssen durch das Kurzarbeitergeld ausgeglichen werden.

    Mit den Sollwerten und den durch Kurzarbeit ausgefallen Stunden werden die tatsächlich geleisteten Stunden (Ist-Stunden) und das tatsächlich erzielte Entgelt (Ist-Entgelt) berechnet. Die Ist-Stunden ergeben sich als Differenz der Soll- und Ausfallstunden. Um die Berechnung zu vereinfachen, wird der prozentuale Anteil der Ist-Stunden an den Soll-Stunden ermittelt. Anschließend kann so das Ist-Entgelt berechnet werden:

    Ist-Stunden in % = ((Soll-Stunden – Ausfallstunden) / Soll-Stunden)*100

    Ist-Entgelt = Ist-Stunden in % * Soll-Gehalt

    Beispiel

    Ausgangssituation: Der Arbeitnehmer Müller hat einen Arbeitsvertrag über 150 Stunden pro Monat und ein monatliches Gehalt von 2000,- €. Durch Kurzarbeit fallen 70 Stunden weg.

     Soll-Entgelt: 2000,- €

    Soll-Stunden: 150 Stunden

    Ausfallstunden: 70 Stunden

    Ist-Stunden in % = 53,33% = ((150 – 70) / 150)*100

    Ist-Entgelt = 1.066,60€  = 0,5333 * 2.000€

    Zur Erleichterungen des Vorganges hat die Agentur für Arbeit die „Tabellen zur Berechnung des Kurzarbeitergeldes (KUG)“ veröffentlicht, aus der die pauschalisierten Netto Entgelte abgelesen werden können.

    Pauschalisiertes Netto Entgelt

    Mit dem Soll- und Ist-Entgelt wird eine fiktive Steuerberechnung durchgeführt, das heißt es werden Sozialversicherungsbeiträge, Lohnsteuer und der Solidaritätszuschlag abgezogen. Das Ergebnis sind pauschalisierte Netto Entgelte.

    Zum Ablesen der Werte müssen neben dem Soll- und Ist-Entgelt, die Steuerklasse und der Leistungssatz des Arbeitnehmers berücksichtigt werden. Der Leistungssatz entspricht dem Prozentsatz des Soll-Entgelts bis zu dem die Agentur für Arbeit das Ist-Entgelt aufstockt. Er bestimmt sich über den Kinderfreibetrag in der Lohnsteuerkarte. Arbeitnehmer mit Kinderfreibetrag fallen in Leistungssatz 1 (67%), für die restlichen Arbeitnehmer gilt Leistungssatz 2 (60%).

    Als Antwort auf die Coronakrise wurde eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes beschlossen, die bis zum 31. Dezember 2021 gilt. Dafür wurden 4 weitere Leistungssätze eingeführt. Die Leistungssätze 3 (Arbeitnehmer mit Kinderfreibetrag, 77%) und 4 (70%) gelten ab den vierten Bezugsmonat des Kurzarbeitergeldes, wenn mindestens 50% der Arbeitszeit wegfallen. Die Leistungssätze 5 (Arbeitnehmer mit Kinderfreibetrag, 87%) und 6 (87%) gelten bei einem Wegfall von 50% der Arbeitszeit ab dem siebten Bezugsmonat.

    Mit dem aus der „Tabellen zur Berechnung des Kurzarbeitergeldes (KUG)“ abgelesenen pauschalisierten Nettos lässt sich das Kurzarbeitergeld berechnen. Es ergibt sich als Differenz des pauschalierten netto Soll-Entgelt und dem pauschalierte netto Ist-Entgelt.

    Auszuzahlendes KUG = pauschaliertes Netto Soll-Entgelt - pauschaliertes Netto Ist-Entgelt

    Das auszuzahlende Kurzarbeitergeld wird zunächst vom Arbeitgeber überwiesen. Die Erstattung durch die Agentur für Arbeit erfolgt nach Abgabe des sogenannten Leistungsantrages.

    Beispiel

    Der Arbeitnehmer Müller hat keinen Kinderfreibetrag und wird mit Steuerklasse 1 abgerechnet.

    Leistungssatz: 2

    pauschaliertes Netto Soll-Entgelt = 849,97 €  (Soll-Entgelt 2.000,- €)

    pauschaliertes Netto Ist-Entgelt = 480,00 € (Ist-Entgelt = 1.066,60 €)  

    auszuzahlende KUG = 369,97 € (849,97 € - 480,- €)

    Arbeitnehmer Müller erhält demnach 369,97 € Kurzarbeitergeld neben seinem Ist-Entgelt von 1.066,60 €. Die Auszahlung des KUG übernimmt der Arbeitgeber. Die Erstattung durch die Agentur für Arbeit erhält er im Anschluss an die Abgabe des Leistungsantrages.

    Auch bei Kurzarbeit fallen Sozialversicherungsbeiträge an. Das Ist-Entgelt wird dabei genauso verbeitragt wie das Entgelt vor der Kurzarbeit. Das Kurzarbeitergeld selbst wird nicht verbeitragt. Dafür fallen Sozialversicherungsbeiträge auf die Ausfallstunden, also die Differenz zwischen Soll- und Ist-Engelt an. Zur Beitragsbemessung werden 80% der Differenz zwischen Soll- und Ist-Engelt herangezogen (Sozialversicherungs-Brutto für KUG, also der Betrag, auf den die Sozialversicherungsbeiträge berechnet werden). Es gelten die normalen Beitragssätze für Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung, die Arbeitslosenversicherung ist beitragsfrei. Demnach fallen Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von 36,25% plus krankenkassenindividueller Zusatzbeitragssatz an, die vom Arbeitgeber allein getragen werden. Die Agentur für Arbeit erstattet diese Sozialversicherungsbeiträge in Höhe eines pauschalierten Beitrag von 37,6% des KUG SV-Bruttos (Sozialversicherungs-Brutto). 

    SV-Brutto für KUG = 0,8 * (Soll-Entgelt – Ist-Entgelt)

    SV-Beitragserstattung = SV-Brutto für KUG * 0,376

    Beispiel

    Für Arbeitnehmer Müller bedeutet das eine SV-Beitragserstattung in Höhe von

    SV-Brutto für KUG = 746,72 € = 0,8 * (2.000 € - 1.066,60 €)

    SV-Beitragserstattung = 280,77 € = 746,72 € * 0,376

    Zuschuss zum Kurzarbeitergeld

    Da Kurzarbeitergeld nicht den gesamten Entgeltausfall abdeckt, besteht die Möglichkeit, den Nettoverlust über einen Zuschuss auszugleichen. Es ist dem Arbeitgeber überlassen, ob und in welcher Höhe die Zahlung erfolgt. Ein Anrecht auf den Zuschuss besteht für den Arbeitnehmer nicht. Der Zuschuss ist steuerpflichtig, aber beitragsfrei, wenn der Wert zusammen mit dem Kurzarbeitergeld das SV-Brutto für KUG nicht übersteigt.

    Zur Erinnerung: Der Arbeitnehmer Müller hat ein Soll-Entgelt von 2000,- €. Auf Grund von Kurzarbeit beträgt sein Brutto-Entgelt (Ist-Entgelt) 1.066,60 €. Er verliert ein Entgelt von 933,40 €. Das nach der Agentur für Arbeit bestimmte Kurzarbeitergeld beläuft sich auf 369,97 €. Im Vergleich zu seinem Soll-Entgelt hat er mit Kurzarbeitergeld einen Verlust von 563,43 €. Sein Arbeitgeber beschließt einen Zuschuss zu zahlen, um den Verlust auszugleichen. Der Zuschuss wäre Beitragsfrei wenn er zusammen mit den Kurzarbeitergeld die Höhe des SV-Brutto für KUG, 746,72 € (80% von 933,40 €) nicht übersteigt.

    Beispiel 1: Der Arbeitgeber zahlt einen Zuschuss von 300,- €

    Die Summe aus KUG (369,97 €) und Zuschuss (300,- €) ist geringer als das SV-Brutto für KUG (746,72 €). Der Zuschuss ist daher beitragsfrei.

    Beispiel 2: Der Arbeitgeber zahlt einen Zuschuss von 500,- €

    Die Summe aus KUG (369,97€) und Zuschuss (500,- €) übersteigt das SV-Brutto für KUG (746,72 €), um 123,25 €. Die 123,25 € müssen verbeitragt werden.

    Kurzarbeit und Zuschüsse zur freiwillig gesetzlichen und privaten Krankenversicherung

    Arbeitnehmer, die freiwillig gesetzlich oder privat Krankenversichert sind, erhalten Beitragszuschüsse vom Arbeitgeber. In der Höhe entspricht dieser Zuschuss dem Arbeitgeberanteils der bei Pflichtversicherten anfällt plus die Hälfte des kassenindividuellen Zusatzbeitrags bzw. bei privat versicherten dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag, der sich in 2020 auf 1,1% beläuft.

    Freiwillig gesetzlich oder privat krankenversicherte Arbeitnehmer erhalten ihren Beitragszuschuss auch in der Kurzarbeit. Auf das Ist-Entgelt entfällt der normale Beitragszuschuss, der ohne Kurzarbeit anfallen würde. Er entspricht der Höhe des halben Beitragssatzes der GKV plus den halben kassenindividuellen Zusatzbeitrag oder bei PKV dem durchschnittlichen Zusatzbeitrages (in 2020: 1,1%).

    Der Beitrag auf das Kurzarbeitergeld ergibt sich wie bei pflichtversicherten Arbeitnehmern über das SV Brutto für KUG, also über 80% der Differenz zwischen Soll- und Ist-Entgelt. Verbeitragt wird mit dem vollen Beitragssatz (14,6%) zuzüglich des kassenindividuellen oder durchschnittlichen Zusatzbeitrages.

    Kurzarbeit und Provision

    Für Arbeitnehmer, deren Entgelt Variablen wie Provision enthält, gibt es eine Sonderregelung bei Kurzarbeit.

    In der Regel fallen Provisionen jeden Monat in unterschiedlicher Höhe an. Für die Einberechnung in das Kurzarbeitergeld wird daher auf das Soll-Entgelt die durchschnittliche Provision der letzten drei Monate gerechnet. 

    Die eigentlich ausgezahlte Provision im Monat der Kurzarbeit wird nur im Ist-Entgelt einbezogen.

    Beispiel

    Arbeitnehmer Müller bekommt neben seinem vertraglich festgelegten Monatsentgelt jeden Monat eine Provision. In den drei Monaten vor der Kurzarbeit belief sich diese auf 375 €, 500 € und 400 €. Im Monat der Kurzarbeit bekommt er eine Provision von 350 €.
    Für die Ermittlung des  pauschalisierten Nettos wird auf das Soll-Entgelt die durchschnittliche Provision der letzten drei Monate hinzugerechnet. Im Fall von Arbeitnehmer Müller also 425 €  ((375 + 500 + 400)/3).  Die im Monat erhalten Provision von 350 € wird auf das Ist-Entgelt gerechnet.

    Kurzarbeit & PayFit

    Als PayFit-Kunde erleichtern wir Ihnen die KUG-Berechnung enorm. Dank der internen, eigenentwickelten Programmiersprache können wir Änderungen schnell in unser Tool einarbeiten und stehen Ihnen so wie gewohnt mit einer intuitiven Bedienbarkeit zur Seite.

    Charlotte Block

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