Lohnabrechnung für GründerInnen und UnternehmerInnen

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    Ein Unternehmen zu gründen ist an sich schon ein aufregender Schritt, der wohl geplant sein will. Eine gute Idee, Unternehmergeist und gegebenenfalls Startkapital sind dabei essenziell. Doch was sind die Grundvoraussetzungen und was muss beachtet werden, wenn die ersten tatkräftigen Hände gefunden sind und man sie offiziell als MitarbeiterInnen anstellen möchte? Was ist dann für die (erste) Lohnabrechnung wichtig?

    Im folgenden Artikeln beantworten wir Ihnen diese Fragen in einem umfassenden Guide “Lohnabrechnung für GründerInnen und UnternehmerInnen”. 

    1. Die Anstellung von MitarbeiterInnen

    Als ArbeitgeberIn sind Sie dazu verpflichtet, Ihren Angestellten Lohnabrechnungen auszuhändigen. Bereits bevor es zur ersten Lohnabrechnung kommt, sollten Sie folgende Punkte vor der Einstellung von MitarbeiterInnen (auch MinijobberInnen) beachten und erledigen.

    Selbst wenn Sie zu Anfang nur MinijobberInnen oder Teilzeitkräfte einstellen: Der Prozess bleibt im Grunde derselbe.

    1.1 Erste Schritte für UnternehmerInnen 

    Vor der Einstellung der ersten MitarbeiterInnen müssen Sie sich zunächst um relevante Genehmigungen, Identifikationsnummer sowie Versicherungen kümmern. 

    Schritt 1: Gewerbeanmeldung

    Der erste Gang führt immer zum Gewerbeamt. Hier wird Ihr Gewerbe angemeldet und Ihnen eine Bescheinigung ausgehändigt, welche die Gewerbeausübung offiziell erlaubt. Das Gewerbeamt leitet die Information, dass Sie ein Gewerbe angemeldet haben, meist an das Finanzamt, die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder Handwerkskammer (HWK) sowie das Gewerbeaufsichtsamt weiter.

    Eine Online-Anmeldung ist teilweise auch möglich.

    Schritt 2: Registrierung beim Finanzamt

    Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ist ein Dokument, welches Sie online beim Bundeszentralamt für Steuern herunterladen können. Alternativ bekommen Sie den Fragebogen direkt beim Finanzamt. Er ist die Grundlage für die Beantragung von Steuernummer und Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. 

    Steuernummer

    Das Finanzamt vergibt die Steuernummer an steuerpflichtige Unternehmer und Unternehmen beim erstmaligen Kontakt. 

    Die Steuernummer muss ab sofort beispielsweise bei Rechnungsstellung angegeben werden.

    Umsatzsteuer-Identifikationsnummer

    Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.) ist ein Identifikationsmerkmal für EU-Unternehmer im Bereich der Umsatzsteuer. Sie wird benötigt, wenn Sie am Waren- und Dienstleistungsverkehr innerhalb der EU teilnehmen möchten.

    Schritt 3: Beantragung der Betriebsnummer 

    Ihre Betriebsnummer erhalten Sie bei der Agentur für Arbeit. Sie dient der Erfüllung der Meldepflichten bei den Krankenkassen und wird beispielsweise bei An- und Abmeldung von ArbeitnehmerInnen benötigt. Die Betriebsnummer können einfach online hier beantragen: Zur Agentur für Arbeit.

    Schritt 4: Versicherung bei der Berufsgenossenschaft

    Berufsgenossenschaften sind die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Sie sind darüber hinaus Ansprechpartner rund um Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Als GründerIn eines Unternehmens sind Sie versicherungspflichtig, für Selbstständige und Freiberufler besteht keine Pflicht. Die Unfallversicherung sichert das Unternehmen gegen Folgen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten ab. 

    Jedes Unternehmen erhält dabei eine Mitgliedsnummer. Diese Nummer benötigen Sie auch für die Anmeldung Ihrer neuen MitarbeiterInnen. Offiziell sollten Sie die Betriebsnummer eine Woche nach Registrierung Ihres Unternehmens beim Gewerbeamt beantragen.

    Bitte beachten

    Je nachdem, in welchem Gewerbe Sie tätig sind, können weitere Anmeldungen erforderlich sein.

    1.2  Wichtige Versicherungen für UnternehmerInnen

    Bei der Gründung eines Unternehmens sollten immer relevante Risiken ermittelt und abgeschätzt werden. Das hilft bei der Entscheidung, welche Versicherungen das Unternehmen wirklich abschließen sollte. Es ist wie im Privatleben: Je risikofreudiger eine Person ist, desto weniger Versicherungen sind erforderlich. 

    Die Risiken, bei denen ein eventueller Schaden mit hohen finanziellen Auswirkungen entstehen kann, sollten zuerst versichert werden. Stellen Sie am besten eine Top-Down-Rangordnung auf und wägen Sie die Risiken gründlich ab.

    Mögliche Risiken:

    • Brand- und Wasserschäden
    • Einbruch und Diebstahl
    • Personen- und Sachschäden gegenüber Dritten
    • Umsatzausfall durch Betriebsunterbrechung
    • Datenverlust

    Wenn Sie die Risiken eingeordnet haben, kommen unterschiedliche Versicherungen in Frage. 

    Betriebshaftpflichtversicherung

    Die Betriebshaftpflichtversicherung deckt Schäden ab, die der Betrieb, die MitarbeiterInnen oder Sie als UnternehmerIn selbst verursachen. Diese Versicherung ist für fast alle Unternehmen unverzichtbar.

    Beispiel: Das kann bereits ein verlorener Schlüssel sein, denn das Austauschen alle firmeninternen Sicherheitsschlösser kann mitunter mehrere Tausende Euro kosten.

    Vermögensschadenhaftpflicht

    Die Vermögensschadenhaftpflicht dient der Absicherung vor finanziellen Verlusten, die entstehen, wenn bei KundInnen und KlientInnen Vermögensschäden entstehen und Schadensersatz gefordert wird.

    Beispiel: Eine Vermögensschadenhaftpflicht macht bei beratenden Berufen wie z.B. IT-Consultant oder FinanzberaterIn, beziehungsweise Berufen bei denen durch eigene Dienstleistungen ein finanzieller Nachteil für den Kunden entstehen kann, Sinn.

    Inventarversicherung bzw. Inhaltsversicherung

    Die Inventarversicherung ist sozusagen die Hausratversicherung für Unternehmen. Hierdurch werden Büro, Lagerbestände oder der Laden abgesichert. Versichert ist demnach das Inventar Ihres Unternehmens zum Neuwert.

    Beispiel: Bei Raub, Einbruch, aber auch bei Wasser- oder Sturmschäden deckt sie die entstehenden Schäden ab. Da meist Dinge in einem Betrieb fremdfinanziert sind, können durch einen Einbruch extreme finanzielle Belastungen entstehen. Neben Aufräumarbeiten und das Ersetzen von gestohlene Objekte und Waren muss unter Umständen auch Ausfall der Geschäftigkeitstätigkeit kompensiert werden. In solchen Fällen sichert die Inventarversicherung beispielsweise laufende Kosten oder entgangenen Gewinn ab. 

    Ertragsausfallversicherung

    Eine Betriebsunterbrechungsversicherung ist eine Sammelbezeichnung. Darunter werden die Versicherungsarten der Schadenversicherung zusammengefasst, die Versicherungsschutz für Erlöseinbußen infolge einer Betriebsunterbrechung oder Beeinträchtigung in der betrieblichen Leistungserstellung und -verwertung gewährleisten.

    Beispiel: Aufgrund der aktuellen Corona Pandemie sind Gastronomien mit regelmäßigen Einschränkungen in ihrem Betrieb konfrontiert. Hier könnte eine Betriebsschließungsversicherung beispielsweise unterstützen. Sie sichert Vermögensschäden ab, die dem versicherten Betrieb dadurch entstehen, dass die z.B. zuständige Behörde infolge des Auftretens einer nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtigen Krankheit bzw. Krankheitserregers die Betriebsschließung oder andere entsprechende Maßnahmen anordnet.

    Weitere mögliche Versicherungen für Gründer

    • Vermögensschadenhaftpflichtversicherung
    • Betriebsunterbrechungsversicherung
    • Geschäftsinhaltversicherung
    • Managerrechtsschutz

    2. Verschiedene Anstellungsformen

    Die rechtlichen Grundlagen sind geschaffen, Versicherungen abgeschlossen – von Unternehmensseite kann es losgehen. Bevor Sie den ersten MitarbeiterInnen einstellen, sollten Sie sich sich klar werden, welche Fähigkeiten bzw. wen genau Sie brauchen. Denn verschiedene Anstellungsformen bieten verschiedene Vor- und Nachteile. 

    Auf dieser Basis kann eine bessere und vor allem wirtschaftlichere Entscheidung getroffen werden, welche Anstellungsform aktuell am meisten Sinn macht. Insbesondere bei der Betrachtung der Kosten ist es wichtig zu berücksichtigen, dass neben dem Nettogehalt des Mitarbeitenden auch noch weitere Arbeitgeberkosten auf Sie zukommen.  

    2.1 Grundüberlegungen und Gehaltskomponenten

    Bei der Einstellung neuer MitarbeiterInnen sollten drei Komponenten eine Rolle spielen:

    1. Anforderungsprofil: Welche Qualifikationen sollte die Person mitbringen?
    2. Kosten für Ihr Unternehmen: Welche Anstellungsform rentiert sich für Sie am meisten?
    3. Geplante Länge der Beschäftigung: Brauchen Sie übergangsweise Unterstützung oder wollen Sie langfristig feste MitarbeiterInnen?
    PayFit

    Wie entsteht ein Bruttogehalt?

    Zum Nettogehalt addieren sich weitere Kosten wie Sozialabgaben, Steuern und sogenannte Umlagen. So summieren sich die unterschiedlichen Komponenten zum Bruttogehalt. Spätestens nach der Visualisierung der Abzüge wird verständlich und nachvollziehbar, warum es immer heißt, dass Lohnnebenkosten den finanziellen Personalaufwand um beinahe ein Drittel erhöhen.

    2.2 Die verschiedenen Anstellungsformen 

    Bei der Betrachtung des jeweiligen Level der Expertise und des Zeitrahmens in Kombination mit dem Verhältnis von Brutto- und Nettoausgaben zeigt sich nochmal klar: MitarbeiterInnen mit geringer Stundenzahl und weniger Expertise sind für Sie als Unternehmer günstiger. Welche Kosten für Sozialabgaben und Steuern dann tatsächlich anfallen, muss einmal differenzierter betrachtet werden.

    PayFit

    2.2.1 Niedrige Sozialabgaben und Steuern

    Bei geringfügig sowie kurzfristig Beschäftigten zahlen Sie als ArbeitgeberIn vergleichsweise wenig Steuern und Sozialabgaben. Die Zeit, die sie für Ihr Unternehmen tätig sein können sowie die berufliche Qualifikation sind allerdings begrenzt. 

    MinijobberInnen (Geringfügig Beschäftigte)

    MinijobberInnen dürfen pro Monat mit maximal 450 € vergütet werden und dementsprechend wenig Arbeitsstunden leisten. Die Meldungen und Zahlungen für die Sozialversicherungen erfolgen zur Minijob Zentrale (Knappschaft). Die Sätze sind allerdings angepasst.

    ✅  Steuern

    ✅  Rentenversicherung

    ✅  Unfallversicherung

    ✅  Krankenversicherung 

    ❌  Kurzarbeit 

    ❌  Pflegeversicherung

    ❌  Arbeitslosenversicherung

    Kurzfristig Beschäftigte

    Kurzfristig Beschäftigte dürfen längstens 3 Monate oder 70 Arbeitstage im Kalenderjahr angestellt sein. Es darf keine Berufsmäßigkeit vorliegen und es besteht keine Sozialversicherungspflicht.

    ✅  Steuern

    ✅  Unfallversicherung

    ❌  Rentenversicherung

    ❌  Krankenversicherung

    ❌  Kurzarbeit 

    ❌  Pflegeversicherung

    2.2.2 Niedrige Kosten und Zukunftsperspektive

    Eine zukunftsorientierte und zugleich kostengünstige Anstellungsform ist die der WerkstudentInnen und PraktikantInnen. Hierbei fallen weiterhin relativ wenig Sozialabgaben an, im besten Fall bringen die neuen KollegInnen hier allerdings schon mehr Expertise mit.

    WerkstudentInnen

    WerkstudentInnen müssen immer auch regulärer, eingeschriebene StudentInnen sein. Während des Semesters sind die Stunden auf 20 pro Woche begrenzt, in den Semesterferien kann unbegrenzt gearbeitet werden.

    ✅  Steuern

    ✅  Rentenversicherung

    ✅  Unfallversicherung

    ❌  Krankenversicherung 

    ❌  Kurzarbeit 

    ❌  Pflegeversicherung

    ❌  Arbeitslosenversicherung

    PraktikantInnen

    Bei PraktikantInnen ist die Definition, welche Sozialabgaben und Steuern fällig werden, abhängig von unterschiedlichen Komponenten. 

    • Um was für eine Art Praktikum handelt es sich (SchülerIn, StudentIn, AbsolventIn)?
    • Wird das Praktikum vergütet? Wenn ja, übersteigt das Entgelt 450€? 
    • Ist das Praktikum freiwillig oder handelt es sich um ein Pflichtpraktikum?

    Ohne diese Details kann nicht genau festgelegt werden, welche Sozialabgaben anfallen.

    2.2.3 Niedrige Sozialversicherungsbeiträge 

    MidijobberInnen (Übergangsbereich)

    Beträgt das Gehalt 450,01€ - 1.300€, handelt es sich um einen Übergangsbereich. Hier besteht eine Versicherungspflicht, allerdings ist der Arbeitgeber-Anteil unverändert. Es betrifft lediglich den Arbeitnehmer-Anteil, dieser fällt geringer aus. Die Beitragsbelastung steigt somit mit dem Einkommen, ab 1.300€ ist die volle Beitragslast fällig. Der Mitarbeiter ist demnach voll Sozialversicherungs- und Lohnsteuerpflichtig. 

    2.2.4 Volle Kosten für Sozialabgaben und Steuern

    Regulärer Arbeitsvertrag

    Bei einem regulären Arbeitsvertrag fallen alle Steuer- und Sozialabgaben für den/die MitarbeiterIn an. Ebenso kann für MitarbeiterInnen auch Kurzarbeit angeordnet werden, das ist bei den anderen Anstellungsformen größtenteils (mit Ausnahme der MidijobberIn) nicht so.

    ✅  Steuern

    ✅  Rentenversicherung

    ✅  Unfallversicherung

    ✅  Krankenversicherung 

    ✅  Kurzarbeit 

    ✅  Pflegeversicherung

    ✅  Arbeitslosenversicherung

    3. Benötigte Mitarbeiterdaten für die erste Lohnabrechnung 

    Sie haben Ihren ersten Mitarbeiter eingestellt. Für die erste Lohnabrechnung sollten Sie direkt bei der Einstellung der ArbeitnehmerInnen die wichtigsten Dokumente und Informationen einholen.

    Folgende Informationen benötigen Sie:

    • Personalstammdaten des Arbeitnehmers (Name, Geburtsdatum usw.)
    • Daten zum Arbeitsverhältnis (Stunden, Entgelt, Urlaubstage usw.)
    • Daten zu vermögenswirksamen Leistungen oder betrieblicher Altersvorsorge
    • Mitgliedsbescheinigung der Krankenkasse
    • Steueridentifikationsnummer
    • Sozialversicherungsausweis

    Folgende Daten benötigen Sie nur im Sonderfall:

    • Nachweis der Elternschaft, falls dies aus dem Kinderfreibetrag nicht ersichtlich ist (Pflegeversicherungszuschlag für Kinderlose)
    • Schwerbehindertennachweis
    • Urlaubsbescheinigung des früheren Arbeitgebers
    • Arbeitsgenehmigung (nur bei Arbeitnehmern aus NICHT-EU-Ländern) 

    4. Erstellung der ersten Lohnabrechnung

    Die ersten MitarbeiterInnen sind eingestellt und ihre erste Lohnabrechnung erhalten. Was Sie jetzt noch beachten müssen und wie die Abrechnung genau funktioniert lesen Sie hier.

    4.1 Monatliche Variablen in der Lohnabrechnung

    Selbst, wenn das Bruttolohn festgelegt ist, gibt es Monat für Monat zusätzliche Variablen, die direkten Einfluss auf die Lohnabrechnung haben können. So sollten pro Monat und MitarbeiterIn folgende Punkte überprüft werden

    • Sind alle Urlaube,Krankheiten und andere Abwesenheiten richtig erfasst worden? 
    • Gab es eventuell Sonderzahlungen oder Boni?
    • Bekommt der jeweilige Mitarbeiter Provisionszahlungen?
    • Wurden andere Zusatzleistungen bezogen oder muss Kilometergeld ausgezahlt werden? 
    • Hat ein/e MitarbeiterIn Auslagen eingereicht, die zurückerstattet werden müssen? 
    • War der/die jeweilige MitarbeiterIn in Kurzarbeit?

    Diese Komponenten spielen bei den Berechnungen eine große Rolle und sollten somit im Auge behalten werden. Je nachdem welche Form der Lohnabrechnung Sie nutzen, sollten Sie diese Informationen direkt im System hinterlegen oder mit dem Steuerberater abstimmen.

    4.2 Berechnung des Arbeitsentgelt

    Für die Berechnung des Arbeitsentgelts der MitarbeiterIn gibt es zwei Basis-Rechnungen: die Bruttorechnung und die Nettorechnung. Wir erklären im Folgenden den Unterschied und die jeweiligen Komponenten.

    4.2.1 Brutto- und Nettorechnung

    Bei der Bruttorechnung wird der laufende Arbeitslohn bestimmt. Zum Arbeitslohn gehören neben Lohn oder Gehalt, die Bewertungen von Sachbezügen und sonstigen Bezügen wie Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Prämien.

    Für jede dieser Variablen muss die Lohnsteuerpflicht und die Sozialversicherungspflicht geprüft werden. Hieraus bestimmt sich dann wiederum das Steuer- und Sozialversicherungs-Brutto (SV-Brutto). 

    Bei der Nettorechnung dreht sich alles um die Abzüge der Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. 

    Welche Steuern und Beträge Sie beachten müssen, erfahren Sie im folgenden Kapitel.

    PayFit

    4.2.2 Steuern und Sozialabgaben bei der Lohnabrechnung

    Lohnsteuer

    Die Lohnsteuer ist die Vorauszahlung der Einkommensteuer. Sie ist abhängig von der Höhe des Lohns und den Steuerdaten des Arbeitnehmers. Die Lohnsteuertabelle wird jährlich aktualisiert. 

    Kirchensteuer 

    Sofern der Arbeitnehmer kirchensteuerpflichtig ist, beträgt die Kirchensteuer in Bayern und Baden-Württemberg 8% der Lohnsteuer – in allen anderen Bundesländern liegt sie bei 9% der Lohnsteuer.

    Sozialversicherungsbeiträge

    Die Sozialversicherungsbeiträge werden jeweils zur Hälfte vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer getragen.

    Krankenversicherung

    Der Grundbeitragssatz zur Krankenkasse liegt 2020 bei 14,6%, hinzu kommt ein individueller Krankenkassensatz. Dieser liegt durchschnittlich bei 1,1%. Auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber entfallen jeweils 7,3%.

    Pflegeversicherung

    Der Beitrag zur Pflegeversicherung beträgt 3,05% und wird in den meisten Bundesländern je zu 1,525% von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen. Eine Ausnahme stellt Sachsen dar, wo der Arbeitgeber 1,025% übernimmt und der Arbeitnehmer 2,025%. Kinderlose Arbeitnehmer über 23 Jahren zahlen zusätzlich 0,25%.

    Rentenversicherung

    Der Rentenversicherungsbeitrag liegt bei 18,6% und wird von beiden Parteien jeweils zu 9,3% getragen. 

    Arbeitslosenversicherung

    Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung beträgt 2,4% und wird von Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu jeweils 1,2% übernommen.

    Solidaritätszuschlag

    Der Solidaritätszuschlag wurde zur Unterstützung der deutschen Einheit eingeführt und liegt bei 5,5% der Lohnsteuer. Bitte beachten, dass ab 2021 dieser für fast 90% der MitarbeiterInnen entfällt.

    4.2.3 Die Auszahlungsrechnung

    Nach Abzug der Steuern und Sozialversicherungsbeiträge werden vom Nettoentgelt die Nettoab- und bezüge abgezogen bzw. addiert. Diese sind steuer- und beitragsfrei, daher erfolgt der Abzug erst nach Berücksichtigung der Steuern und Sozialversicherungsbeiträge.

    4.2.4 Zahlungen und Fristen der Lohnabrechnung

    Bezüglich der zu leistenden Beiträge gibt es Fristen, die für die gesammelten Zahlungen einzuhalten sind. Außerdem gibt es mitarbeiterindividuelle Deadlines, in denen neue MitarbeiterInnen beispielsweise angemeldet werden müssen.

    Lohnsteuer

    Als Arbeitgeber müssen Sie die Lohnsteuer bis zum 10. des Folgemonats an das Betriebsstättenfinanzamt zahlen. Der Zahlungseingang muss spätestens drei Tage später erfolgen.

    Sozialversicherungbeiträge

    Die Beiträge zur Sozialversicherung gehen an die Krankenkasse des Arbeitnehmers. Bei  geringfügig Beschäftigten wie Midijobbern sind die Beiträge an die Knappschaft zu zahlen.

    Neben dem sogenannten Beitragsnachweis der für jede Krankenkasse die Beiträge zusammengefasst, sind individuelle Meldungen zu tätigen.

    Beitragsnachweise

    Es gibt für jede Krankenkasse einen Beitragsnachweis mit allen Sozialversicherungsbeiträgen. Die Krankenkassen verteilen die Beiträge dann an die jeweiligen Stellen. 

    Neben der Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung müssen hier auch die Insolvenzumlage 0,06% und die Umlage für den Krankheitsfall (U1) und der Mutterschaft (U2) geleistet werden. Die Pflicht zur Abführung der U1 besteht nur für Unternehmen mit weniger als 30 Arbeitnehmern. Die Höhe der U1 ist krankenkassenindividuell, die Höhe der U2 beträgt 0,47%

    Arbeitnehmerindividuelle Fristen

    Zu den Fristen, die individuell für ArbeitnehmerInnen gelten, gehören Anmeldungen, Abmeldungen, Änderungsmeldungen oder Unterbrechungsmeldungen. 

    Für Anmeldungen und Abmeldung gilt eine Frist von 6 Wochen nach Beginn oder Ende der Beschäftigung. In bestimmten Bereichen gilt eine Sofortmeldepflicht, das heißt, dass der Krankenkasse die Anmeldungen spätestens mit Aufnahme der Beschäftigung vorliegen müssen.

    PayFit

    5. Verschiedene Abwicklungsarten der Lohnabrechnung

    Obwohl Sie nun einen sehr guten Überblick über die einzelnen Bestandteile und Prozesse der Lohnabrechnung haben, ist es externe Unterstützung in der Praxis trotzdem ratsam. Ob diese Unterstützung direkt von SteuerberaterInnen oder einer intuitiven Software kommt, ist dabei Ihre Entscheidung. Im Folgenden stellen wir Ihnen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten auf einen Blick vor.

    SteuerberaterInnen 

    Eine sehr übliche Option die Lohnabrechnung abzuwickeln ist über SteuerberatInnen. Diese arbeiten freiberuflich oder als Teil einer Steuerberatung. Dabei ist die Lohnabrechnung neben der Buchführung häufig Teil eines umfassenderen Angebotspaket.  

    Vorteile:

    • Möglichkeit eines umfassenden Angebotspaket
    • Geringe Eigenverantwortung in der Durchführung
    • Keine Lohnabrechnung Expertise notwendig

    Nachteile:

    • Häufige und komplexe Kommunikation zur Abstimmung
    • Viel Papierarbeit 
    • Fehlende Preistransparenz durch Gesamtpreis für Angebotspaket
    • Fehlende Kontrolle über Datenmanagement
    • Abhängigkeit von dritten Partei in der Durchführung 
    • Aufgrund von fehlender Automatisierung vermehrt Fehler möglich
    • Zeitaufwendige Verteilung von Lohnabrechnungen an Ihre MitarbeiterInnen

    DATEV

    DATEV ist eine Lohnabrechnungs-Software, mit der die meisten SteuerberaterInnen oder LohnbuchhalterInnen arbeiten. Die Software selbst hat ebenfalls ein sehr umfassendes Angebot, welches jedoch auch eine hohe Komplexität erzeugt und dadurch weniger nutzerfreundlich als Alternativen sein kann. Für die interne Nutzung von DATEV sollten Sie bereits mit der Software vertraut sein oder einen Mitarbeiter einstellen, der mit DATEV die Lohnabrechnungen durchführen kann.

    Vorteile:

    • Mehr Kontrolle in der Durchführung 
    • Schutz sensibler Daten (nur interne Weitergabe der Daten)
    • Schnelle Adaption von gesetzlichen Veränderungen

    Nachteile:

    • Durch hohe Komplexität der Software braucht es Lohnabrechnungsexperten zur Durchführung
    • Fehlender Kundenservice und Erklärungen zur Handhabung
    • Dadurch entstehende Fehler kosten Zeit und Geld 
    • Zusätzliche Kosten für Softwarelösungen und Trainings

    Lohnabrechnung leicht gemacht – von Anfang an.

    Sie merken: Die Welt der Lohnabrechnung ist sehr komplex. Wir hoffen, Ihnen einen guten Einblick gegeben zu haben, sodass Sie sich nun auf die Suche nach den ersten MitarbeiterInnen machen können. 

    Sollten Sie sich für PayFit interessieren, dann buchen Sie hier einfach eine unverbindliche Demo. Unsere Experten zeigen Ihnen die Plattform und beantworten gerne Ihre Fragen. 

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