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    Am 11.03. erklärte die WHO den Virus Covid-19 zur Pandemie. Einen Tag darauf beschloss Österreich, alle Schulen zu schließen, während Italien bereits alle Geschäfte bis auf Supermärkte und Apotheken geschlossen hatte. Viele der Maßnahmen betreffen nun auch Deutschland und damit deutsche Unternehmer und Angestellte.

    Wir haben Regelungen und Empfehlungen, auch in Bezug auf die Lohnabrechnung, für Arbeitgeber zusammengefasst. Denn nur gemeinsam können wir die rasche Ausbreitung dieses hoch ansteckenden Virus eindämmen.

    Handlungsempfehlungen für Unternehmen

    Mittlerweile hat die Bundesregierung zwar ein Maßnahmenpaket beschlossen, viele Unternehmer und HRler stehen trotzdem vor wichtigen, teilweise sogar existenziellen Entscheidungen. Wir haben die wichtigsten Punkte für Arbeitgeber nochmal zusammengefasst und gehen auch auf die lohnabrechnungsrelevanten Themen ein.

    Home-Office

    In der heutigen Zeit ist es bereits in vielen Branchen möglich, aus dem Home-Office zu arbeiten. Allerdings ist hierbei zu betonen, dass Arbeitnehmer generell keinen Anspruch darauf haben, von Zuhause zu arbeiten, insbesondere, wenn in ihrer Firma noch kein Corona-Fall bekannt ist. Es handelt sich lediglich um eine Kulanzregelung des Arbeitgebers. Wir raten allerdings dringend dazu, wenn möglich alle Mitarbeiter umgehend ins Home-Office zu schicken.

    Mit einer solchen Regelung zeigen Unternehmen ihre soziale Verantwortung: indem die Angestellten nicht mehr die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und den Kontakt zu Mitmenschen reduzieren, reduziert sich auch die Ansteckungsgefahr. Denn wie schnell sich das Virus bei direktem Kontakt ausbreiten kann, zeigen unterschiedliche Fälle in Berlin, bei denen sich viele Club-Besucher auf einmal mit dem Virus ansteckten.

    Unsere Quick-Tipps für erfolgreiches Arbeiten von Zuhause:

    - Finden Sie mit Ihren Mitarbeitern eine Routine: ein kurzes Meeting zu Beginn des Tages gibt ebenso viel Fokus wie ein kurzer Spaziergang nach dem Mittagessen

    - Bleiben Sie in Kontakt: Apps wie zoom oder Google hangouts ermöglichen Video-Calls, was wiederum viel nahbarer ist als “nur” ein Telefonat (Vorsicht: suchen Sie sich auch für ein Meeting mit 500 Teilnehmern das passende Tool -> bei PayFit hatten wir dies am ersten Remote-Tag noch nicht gefunden 😉).

    - Raten Sie zu festen Arbeitsplätzen und Arbeitszeiten: die Couch lädt häufig dazu ein, privates und berufliches zu vermischen.

    Wir haben ein paar Artikel mit guten Home Offices Tipps für Sie gesammelt:

    • Experience sharing - Remote work: 10 DOs and DON’Ts! von Margaux Pelen (CodeControl)
    • 7 Tipps für effektives Arbeiten im Home Office von starting-up
    • Artikelsammlung zum Thema Home Office von t3n

    Quarantäne und Arbeitsunfähigkeit

    Quarantäne

    Bei behördlich angeordneter Quarantäne (im Verdachtsfall) wird das Entgelt für max. 6 Wochen vom Arbeitgeber weitergezahlt. Es sei denn, es ist anders in Ihren Arbeitsverträgen geregelt, dann erhält der Arbeitnehmer Leistungen nach dem Infektionsschutzgesetz (§§ 56 und 57), zunächst ausgezahlt vom Arbeitgeber.

    💡Mehr Infos dazu finden Sie in unserem Artikel zu Quarantäne und Entgelt. Im PayFit-Tool haben wir diese Abwesenheitsart auch bereits hinzugefügt, sodass ein entsprechender Vermerk auf der Lohnsteuerbescheinigung möglich ist.

    Abwesenheiten aufgrund von Krankheit

    Sollte Ihr Arbeitnehmer erkrankt sein und dadurch arbeitsunfähig sein, erhält er die gängige Entgeltfortzahlung von 6 Wochen. Dies betrifft eine Infektion mit dem Coronavirus ebenso wie andere Krankheiten, rechtlich gibt es keinen Unterschied.

    💡 Es wurde allerdings eine Sonderregelung veranlasst: da das Coronavirus insbesondere für Menschen mit Vorerkrankungen als gefährlich gilt, ist es für Patienten mit leichter Vorerkrankung der oberen Atemwege nun ohne Arztbesuch telefonisch möglich, ein Attest zu bekommen. In diesem Fall gelten für den Arbeitgeber dieselben Regelungen zur Entgeltfortzahlung.

    Ermöglichung der Kinderbetreuung

    Wenn der Arbeitnehmer nicht zu Arbeit erscheinen kann, weil dessen Kind von einer Schließung der Betreuungseinrichtung betroffen ist, bleibt dem Arbeitnehmer meist leider nur die Möglichkeit, bezahlten oder unbezahlten Urlaub zu nehmen. In Zeiten von Corona empfehlen wir daher, Kulanz zu zeigen und Home Office zu ermöglichen.

    Natürlich ist das konzentrierte Arbeiten und eine gute Kinderbetreuung parallel nicht immer möglich, aber Offenheit und Dialog können beispielsweise in Bezug auf Arbeitszeiten und Flexibilität helfen.

    Momentan sollten soziale Kontakte so gut es geht, vermieden werden, deshalb sollte die Kinderbetreuung im besten Fall durch die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten erfolgen. Als Arbeitgeber sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Team nach einer passenden Lösung suchen.

    Update 03. April

    Der Staat hat auch hier reagiert: Im Zuge einer Neuerung im Infektionsschutzgesetzes (IfSG) wurde eine Regelung eingeführt, die für Eltern wichtig ist, die aufgrund der Schließung der KiTa, des KiGa, der Schule oder anderer Einrichtungen zur Betreuung von Kindern unbezahlten Urlaub nehmen mussten und dadurch Entgelteinbußen hinnehmen mussten.Die neuen Absätze 1a und 2 des §56 IfSG regeln, dass oben genannte Eltern eine Entschädigung in Höhe von 67% des ausgefallenen Nettoentgelts durch den Arbeitgeber erhalten, wenn für das Kind bis zum Alter von 12 Jahren keine anderen zumutbaren Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

    Einen Haken hat die Gesetzesänderung jedoch: Die Entschädigung wird für maximal 6 Wochen und maximal 2.016 Euro pro Monat gewährt.

    💡Der Arbeitgeber hat die Entschädigung auszuzahlen, er muss dafür auch Beiträge zur Sozialversicherung entrichten, bekommt jedoch sowohl die Entschädigung, als auch die Beiträge zur Sozialversicherung auf Antrag erstattet.

    Wichtig: Dieser Paragraf gilt auch für Selbständige und Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH!

    Information zu staatlicher Unterstützung

    Die Bundes- und Landesregierungen haben ein umfangreiches Maßnahmenpaket beschlossen.

    Für die Sicherung der Arbeitsplätze wurden die Voraussetzungen des Kurzarbeitergeld im Eilverfahren geändert.

    Zur Sicherstellung der Liquidität der Unternehmen gibt es sowohl bundesweite Programme durch die KfW, als auch Programme der einzelnen Bundesländer.

    In verschiedenen Bundesländern gibt es auch Zuschuss-Programme, wie beispielsweise in Bayern.💡Auch können Vorauszahlungen zur Einkommens-, Körperschaft-, und Gewerbesteuer herabgesetzt und zusammen mit der Umsatz- und Lohnsteuer jeweils zinslos gestundet werden. Hierzu ist ein formloser Antrag beim zuständigen Finanzamt zu stellen.

    Information zu regionspezifischen Regelungen

    Wir erleben es momentan alle: die aktuelle Lage in den Bundesländern sowie auf Landesebene ändert sich ständig. Grundsätzlich ist das Ausrufen des Katastrophenfalls Ländersache, daher hat jedes Bundesland auch seine eigenen Gesetze hierzu.

    Sie sollten sich daher laufend zu den aktuellen Änderungen und der Gesetzeslage informieren. Hier können beispielsweise spezifische Regelungen in Hinsicht auf Grenzgänger bzw. Berufspendler vorgenommen werden. Halten Sie sich und Ihre Mitarbeiter auf dem Laufenden.

    Kollegen auf dem Laufenden halten

    Corona verunsichert uns alle: sorgen Sie deshalb dafür, dass Ihre Mitarbeiter so gut wie möglich informiert werden. Hierbei geht es beispielsweise um Regelungen zu Home Office, der weiteren Vergütung oder der wirtschaftlichen Lage. Durch regelmäßigen Austausch verlieren Sie nicht den Kontakt zu Ihren Angestellten und können Ihnen Sicherheit geben. Proaktive Kommunikation ist erstrebenswert und beugt Missverständnissen und Unsicherheiten vor.

    Auch im Falle eines Corona-Infizierten im Unternehmen muss bewusst kommuniziert und schnell gehandelt werden. Spätestens in diesem Fall sollten alle Kollegen ausschließlich von Zuhause aus arbeiten.

    Allgemeine Tipps, die Sie mit Ihren Kollegen teilen sollten

    1. Hände waschen – und zwar gründlich

    Es sollte sich zwar von selbst verstehen, aber gründliches, regelmäßiges Händewaschen ist wohl eine der besten Maßnahmen, um die Ausbreitung von Viren zu verhindern. Insbesondere, wenn Sie öffentliche Verkehrsmittel nutzen, sollten Sie sich anschließend für mindestens 20 Sekunden die Hände waschen.

    2. Richtig husten und niesen

    Müssen Sie niesen oder husten, ist es wichtig, Abstand zu ihren Mitmenschen zu halten. Nutzen Sie im besten Fall Taschentücher, die Sie anschließend entsorgen. Alternativ können sie die Armbeuge nutzen, die Hände sind keinesfalls zu empfehlen.

    3. Beobachten Sie sich gut

    Die Anzeichen des Corona-Virus können die einer “normalen” Grippe ähneln. Husten und Fieber sind gängige Symptome. Da die Symptome auch noch 14 Tage nach Ansteckung auftreten können, ist Vorsicht geboten. Achten Sie auf Anzeigen, aber machen Sie sich nicht verrückt! Die konkreten Handlungsempfehlungen bei Verdacht auf Corona finden Sie beim Bundesministerium für Gesundheit.

    4. Meiden Sie unnötigen Kontakt

    Momentan müssen wir uns alle einschränken; der direkte Kontakt zu Ihren Mitmenschen sollte gemieden werden. Auf Händeschütteln und Umarmungen sollte verzichtet werden, auch sind Großveranstaltungen und Menschenansammlungen zu meiden. Mittlerweile gehen viele Regierungen auch schon so weit, dass Sie den Menschen raten, nur für die wichtigsten Einkäufe das Haus zu verlassen.

    5. Vermeiden Sie Reisen und den öffentlichen Nahverkehr so gut es geht

    Teilweise lässt es sich nicht verhindern, die Empfehlung lautet dennoch: schränken Sie Ihre Reisetätigkeit so weit es geht ein. Und wenn Sie doch noch unterwegs sein sollten, muss laut Auswärtigem Amt mit verstärkten Einreisekontrollen und Gesundheitsmaßnahmen wie Temperaturmessungen gerechnet werden.

    Unternehmen wird empfohlen, die Reisetätigkeit Ihrer Angestellten einzuschränken bzw. auf das Nötigste zu reduzieren.

    Weitere Informationen

    Für alle aktuellen Informationen rund um die Maßnahmen bezüglich Corona besuchen Sie die Seiten des Bundesministeriums für Gesundheit.

    Für die weitere Lektüre in Hinsicht auf die Auswirkungen von Corona und warum wir nun alle auf das Ziel “Flatten the curve” hinarbeiten sollten, ist in diesem Medium-Artikel sehr gut dargestellt. Eine gelungene Sammlung finden Sie außerdem unter im Corona/Covid-19 Employer Guide von Anna Ott.

    In einem ausführlichen Webinar haben wir wichtige Informationen rund um die Auswirkungen von Corona auf die Arbeitswelt für Sie zusammengefasst. Außerdem wurden knapp 70 Fragen von unserem Lohnabrechnungsexperten Robin Schmidt beantwortet. Die Aufzeichnung finden Sie unter folgendem Link.

    Charlotte Block

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